V FAKTOR Mitarbeiter für Verantwortung

Ausgangspunkt für das Pilotprojekt Mitarbeiter für Verantwortung ist das Ziel, die Sensibilität, die Verantwortung und schließlich das Wissen über nachhaltiges Handeln zu stärken und weiterzutragen. Die Lösung ist das gezielte Coaching von Führungskräften anhand einer realen und regionalen Aufgabenstellung aus der Stadtentwicklung. So erhalten die TeilnehmerInnen die Chance, ihr Gespür für Problemstellungen und vor allem Lösungen in allen Fragen nachhaltigen und verantwortungsvollen Handelns weit über ihren eigenen Wirkungskreis hinaus zu schärfen und weiterzuentwickeln. Dieses Pilotprojekt verschafft den TeilnehmerInnen zudem außergewöhnliche Kontaktmöglichkeiten und damit ein erweitertes Netzwerk.
Vom Erfahrungs- und Wissenstransfer in die Unternehmen profitiert mittel- und langfristig die gesamte Wirtschaftsregion Mitteldeutschland. 

Die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Städte benötigen aufgrund ihrer zunehmenden Vielschichtigkeit verstärkt neue und alternative Lösungsansätze. Lokale Eigenheiten und Unterschiede lassen allgemeine Lösungen immer weniger wirksam werden. Um innovative Prozesse und Maßnahmen zur Lösung von verschiedenartigen Problemen zu entwickeln, sollen auf Quartiersebene sowohl die wichtigsten aktuellen Fragestellungen identifiziert als auch neue Handlungsoptionen aufgezeigt und umgesetzt werden. Durch das Vernetzen von bereits für Gesellschaft und Stadtentwicklung sensibilisierten Führungskräften und Entscheidungsträgern aus allen lokalen Bereichen will das Projekt Kompetenzen zusammen bringen, die aufgrund der Unterschiedlichkeit von Tätigkeiten, Lebensumfeldern und Sichtweisen ansonsten nicht zusammenkämen. Das Vorgehen soll als Praxismodell für Akteure des Gemeinwohls dienen und als zuverlässiges Instrument zur Lösung aktueller und künftiger Herausforderungen genutzt werden können.

Gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft haben wir nach spannenden Frage- und Aufgabenstellungen der Stadtentwicklung gesucht und diese diskutiert und zwei Schwerpunktthemen herausgearbeitet:

1. Maßnahmen zur Senkung der hohen Schulabbrecherquoten an Leipziger Schulen,

2. Das Potenzial von Zuwanderung für die Wirtschaft nutzen und dafür geeignete Maßnahmen finden.

Bei Themenkomplexe werden mit jeweils unterschiedlichen TeilnehmerInnen in einer neunmonatigen Programmphase bearbeitet. 

PROGRAMMDURCHLAUF 2 MIT DER PROBLEMSTELLUNG "ZUWANDERUNG ALS POTENZIAL NUTZEN"

Am 9.10.2015 startete der zweite Programmdurchlauf mit der Aufgabenstellung „Wie kann Wirtschaft Zuwanderung als Potenzial nutzen?“ Zunächst ging es darum, einen gemeinsamen Wissensstand zu schaffen und das Thema von verschiedenen Warten zu betrachten: Neben Dr. Robert Nadler vom Institut für Länderkunde (IfL), Leipzig referierten u.a. Sabine Werner (Sozialamt Leipzig) und Dr. Frank Dörner (Arzt und Geschäftsführer a.D., Ärzte ohne Grenzen). Bis Ende April 2016 werden die TeilnehmerInnen an vier weiteren Programmtagen und dazwischenliegenden Arbeitsphasen nachhaltige Konzepte entwicklen, um die Potenziale, die Zuwanderung birgt, für die Leipziger Gesellschaft und Wirtschaft zu nutzen und gleichzeitig die Willkommenskultur zu stärken. 

PROGRAMMDURCHLAUF 1 MIT DER PROBLEMSTELLUNG "SCHULABBRECHERQUOTE SENKEN"

Für den ersten Programmdurchlauf haben wir uns für die Thematik der hohen Schulabbrecherquote entschieden.
Nach Zahlen der Studie „Chancenspiegel 2013“ der Bertelsmann-Stiftung ist das Risiko, die Schule ohne jeglichen Schulabschluss zu verlassen, in den neuen Bundesländern bis zu doppelt so hoch wie in Bayern oder Baden-Württemberg. Mit dem Abbruch der Schulausbildung werden Fakten geschaffen, deren gravierende Folgen zuerst für die Betroffenen, dann aber auch die Gesellschaft und die Wirtschaft deutlich spürbar werden.

Die Teilnehmer unseres ersten Programmdurchlaufs sind ein spannender Mix aus insgesamt 30 Führungskräften der Kreativ- und Privatwirtschaft, Kultur, Verwaltung sowie Stadtgesellschaft. In diesem Kreis fand am 04.09.2014 die Auftaktveranstaltung in der HHL Leipzig Graduate School of Management statt. Nach der Begrüßung und Vorstellung des Projekts durch die Projektpartner zeigte Prof. Dr. Nils Berkemeyer von der Universität Jena in seinem Vortrag eine Betrachtung des Themas aus der Adlerperspektive auf. Um sich der komplexen Thematik auch praktisch zu nähern, diskutierten die Teilnehmer anschließend mit den eingeladenen Vertretern aus Schule und Sozialarbeit, die täglich direkt mit der Problematik konfrontiert sind und aus persönlichen Erfahrungen berichten konnten.

Um noch weiteres Wissen zum Thema Schulabbruch zu generieren und Hintergründe zu verstehen, besuchten die TeilnehmerInnen in der Phase bis zum nächsten Programmtag selbständig weitere Akteure, die mittel- oder unmittelbar in dem Problemfeld agieren (wie zum Beispiel die Streetworker O.S.T., das Jobcenter Leipzig oder das Quartiersmanagement Ost) direkt vor Ort.

Der 1. Programmtag am 07.11.2014 fand im Pöge-Haus und damit im direkten „Umfeld des Geschehens“ im Leipziger Osten statt. Der Fokus des Tages lag auf dem Austausch der neugewonnen Erkenntnisse aus den Vor-Ort-Besuchen, der Schärfung der Ziele und der Analyse der konkreten Bedarfe und vorhandenen Ressourcen. Auf Basis dieses Austausches wurden von den TeilnehmerInnen drei Projektansatzideen entwickelt, die in Arbeitsgruppen weiter bearbeitet wurden. In der folgenden Zwischenarbeitsphase trafen sich die Arbeitsgruppen und beschäftigten sich vornehmlich mit der Konkretisierung ihres Gruppenziels und des Projektgegenstands. Zusätzlich standen noch weitere Vor-Ort-Besuche sowie ein Leadership-Modul zum Thema „Motivation“ in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitlingen an.

Am 30.01.2015 fand der 2. Programmtag in den Seminarräumlichkeiten des Zoos Leipzig statt. Inhaltlich standen die Querverbindungen zwischen den Teilprojekten und die Vereinbarkeit dieser zu einem großen Ganzen im Mittelpunkt. Flankiert wurde dieser inhaltliche Teil von einem Leadership-Modul zum Thema Gruppendynamik und Führungsverhalten auf fachfremdem Gebiet.

Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit des Projekts stand dann am 17.04.2015 der 3. Programmtag in der Philippuskirche. Nach den Gesprächsrunden mit fachlichen Experten, die im Laufe des Projekts bereits vor Ort besucht wurden und die nun für weiterführenden Themeninput sorgten, wurden in den Arbeitsgruppen Milestone-Pläne für die Ziele bis zum Abschluss des Projekts und auch darüber hinaus erarbeitet. Abschließend wurde, aufbauend auf dem Leadership-Modul des Tages zu Kommunikationsstrukturen und Zusammenarbeit, eine offene Diskussion in der Gesamtgruppe zur Möglichkeit der Verstetigung und Zusammenführung des Projekts geführt sowie das „Setting“ für den Abschlusstag ausgearbeitet.

Mit konkreten Empfehlungen und der Ankündigung eines Konzepts zur Senkung der Schulabbrecherquote schloss schließlich am 12.06.2015 der erste Programmdurchlauf. Nachdem der Vormittag zur Reflektion des Projektverlaufs und der Ergebnisse genutzt wurde, diskutierten die Projektteilnehmer ihre Erkenntnisse zum Abschluss im Jugend- und Begegnungszentrum „Heizhaus“ in Leipzig-Grünau mit eingeladenen Gästen, darunter auch Holger Gasse, Bildungspolitiker im Sächsischen Landtag.

Moment befindet sich das Konzept in der Finalisierungsphase und soll dann an entsprechende Gremien weitergereicht werden.

 

Die Informationsbroschüren zum 1. Programmdurchlauf "Schulabbrecherquote senken!" sowie zum 2. Programmdurchlauf "Zuwanderung als Potenzial" sind jeweils als Download verfügbar. 

Ein Pilotprojekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundes.
Gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Die entsprechende Projektbeschreibung finden Sie hier.